Künstler: Rupert König

Hilde Domin
Die schwersten Wege

 Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust, 
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote, der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt,
steht uns nicht bei
und sieht zu,
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden, die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen,
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt, den der Fuß
noch nicht gegangen ist, aber gehen wird.
Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein. (…)

(In: Domin, Hilde (1987): Gesammelte Gedichte, Frankfurt/Main, 116f)



Wie uns die Evangelien berichten, erleben Jesus am Kreuz, Maria unter dem Kreuz und auch die Menschen um Jesus im Zusammenhang mit der Passion und dem Sterben Jesu Momente tiefster Einsamkeit und Verlassenheit.
Auch heute erleben sehr viele, mittlerweile auch zunehmend junge Menschen trotz der enorm gestiegenen Ausbreitung und Nutzung sogenannter „sozialer“ Medien Momente von Einsamkeit und Verlassenheit.

Hilde Domin
The hardest paths


 The hardest paths
are travelled alone,
disappointment, loss,
the sacrifice,
are lonely.
Even the dead, who answer every call
and refuses no request,
does not stand by us
and watches
whether we are capable.
The hands of the living, which reach out
without reaching us,
are like the branches of trees in winter.
All the birds are silent.
All you can hear is your own footsteps
and the footsteps that your foot
has not yet taken, but will take.
Stopping and turning around
does not help. It must
have been taken. (...)

(In: Domin, Hilde (1987): Collected Poems, Frankfurt/Main, 116f)



As the Gospels tell us, Jesus on the cross, Mary beneath the cross, and also the people around Jesus experience moments of deepest loneliness and abandonment in connection with the Passion and death of Jesus.
Even today, despite the enormous increase in the spread and use of so-called "social" media, many people, including an increasing number of young people, experience moments of loneliness and abandonment.